Camping Merendella
Aufenthalt: 30.05.2011 bis 02.06.2011
und 09.06.2011 bis 18.06.2011
Wieder hat sich seit meiner letzten Anwesenheit im Jahr 2010 am Platz einiges geändert, weshalb jetzt unbedingt eine vollkommen neue Campingplatzkritik erforderlich wird. Eines vorweg: Der Platz hat seinen alten Charme von 1995 nicht nur wieder gewonnen, sondern sogar noch übertroffen! Doch alles der Reihe nach.
Ein paar hundert Meter in südlicher Richtung vom Ort Moriani-Plage an der N198 entfernt weist ein riesiges Schild links der Straße auf den Campingplatz „Merendella“ mit vier Sternen hin. Nach dem Verlassen der N198 am Restaurant rechts auf die Zufahrt zum Platz abbiegen und schon beginnt eine andere Welt. Der Lärm der Straße wird durch alte Palmen gedämpft und vorbei an einem kleinen plätschernden Fischteich findet sich ein schattiger Parkplatz und die kleine Rezeption. Darin zwei freundlich Damen, die Madame persönlich und eine Angestellte mit einem umwerfenden asiatischen Lächeln. Mein Stammplatz ist schnell gebucht, die Einweisung erfolgt ausführlich, die asiatisch lächelnde Dame beherrscht ein wenig Englisch. Trotzdem wird mein seit dem letzten Jahr stark verbessertes Französisch wohlwollend zur Kenntnis genommen. Für den elektronischen Schrankenöffner, ‚Bip’ genannt, werden noch schnell 20 € Pfand erhoben, dann geht’s hinein auf den Platz.
Schotterwege durchziehen den zum Meer ganz sanft abfallenden Platz, der dicht von zahlreichen Seineichen, Korkeichen und einigen Pinien bestanden ist. Die Bäume haben im Lauf der Jahre ein regelrechtes Dach über den Platz gebildet, der dadurch zwar immer noch sehr hell, aber vor praller Sonne geschützt ist. Wer es dennoch sonnig mag, der kann vorne am Strand sein Domizil aufschlagen. Der sandige Boden des Platzes ist durchweg von gepflegtem Gras bewachsen, die Heringe für Zelte finden überall guten Halt. Die Stellplätze sind mit eingeschlagenen Pfosten und daran befestigten Brettern oder Gebüsch voneinander abgegrenzt, kleine Tafeln mit den Nummern der Stellplätze sorgen für Ordnung. Der Strand, bestehend aus grauem feinem Sand, zieht sich praktisch ununterbrochen von Bastia bis Solenzara. Bei Moriani-Plage ist er recht breit und fällt nur flach ins Meer ab. Ein paar Meter draußen besteht der Untergrund dann aus groben runden Kieseln. Der Abtragung des Strandes durch Sturm in vergangenen Wintern hat man durch lange ‚Würste’ aus mit Sand gefüllten riesigen Buhnen aus grobem Kunststoffgewebe vorgebeugt, nicht ohne Wirkung. Der Strand macht einen sehr sicheren und für Kinder geeigneten Eindruck. Sogar die von der Madame aufgestellten Gipsskulptürchen machen jetzt im Gesamteindruck des Platzes ein stimmiges Bild.
Um die Pflege des Platzes kümmern sich vier Jungs und ein Hund, die wohl im Gegensatz zu der im Vorjahr beauftragten Gärtnerfirma extra von der Madame angestellt wurden. Die vier wohnen auf dem Platz in den dort aufgestellten Bungalows und sind jederzeit absolut freundlich und hilfsbereit. An einem Abend in der ersten Juniwoche kommt ein junger Münchner mit seiner Familie in einem Kurzhauber 7,5-tonner Mercedes-Benz LKW Baujahr 1965 mit Kofferaufbau an, die Jungs lassen es sich nicht nehmen, den Fahrer professionell auf den Standplatz einzuwinken! Begeisterung kommt angesichts des umgebauten Oldtimer-Wohnmobils auf. Kleine und freundliche Gesten lassen eine wie früher auf diesem Platz übliche freundschaftliche Atmosphäre entstehen.
Es gibt zwei Sanitaire-Häuschen am Platz, ein großes älteres weiter hinten und ein kleineres modernes in Strandnähe. Zusätzlich gibt es jetzt einige kleinere mit jeweils einer Toilette und einer Dusche da, wo früher (1995) die alten achteckigen Kunststoffsanitaires waren. An den langen Reihen von Spülbecken für Geschirr ist jetzt Warmwasser angeschlossen. Alles macht einen blitzblanken und immer sauberen Eindruck, dafür sorgt eine fleißige Dame mit ihrer Ausrüstung, eine der wichtigsten Personen am Platz. Desweiteren sind am Platz reichlich Stromzapfstellen vorhanden, bitte Kabeltrommeln mit französischem Stecker mit Mittenkontakt mitbringen, CEE-Anschlüsse gibt es nicht. Nicht unerwähnt lassen sollte man den prächtigen Swimmingpool mit verschiebbarem Dach. Bei schlechtem Wetter wird einfach das transparente Dach geschlossen, drinnen entsteht dann eine angenehm wohlig warme Atmosphäre. Der Bereich um den Pool und der Umkleidebereich ist genauso farblich wunderschön abgestimmt wie die Sonnenterasse mit Liegestühlen auf dem Dach des Wellnessbereiches. Reichlich mediterranes Flair mit vielen Pflanzen auch dort.
Die Strandbar ist jetzt mit einem Betonfundament unterfangen, die Holzterrasse darum herum sehr stark vergrößert. Während meines Aufenthaltes am Platz ist zwar noch alles verschlossen, die Jungs haben aber fleißig die im Vorjahr in Sicherheit gebrachten Einrichtungsgegenstände wie Kühlschränke und Theken wieder eingebaut. Auch jede Menge Pflanzen wurden zur Dekoration herbeigeschafft, die Madame hat alles wohlwollend begutachtet und abgenommen, nicht ohne die ein oder andere Pflanze noch mit spitzen Fingern zurechtzuzupfen. Am Samstag meiner Abfahrt war wohl Eröffnung, ich hab’s leider nicht mehr mitbekommen.
Eigentlich sollte täglich um 08:30 Uhr ein Bäcker mit seinem kleinen Lieferwagen am Platz vorbeikommen. Der Mann, der aussieht wie eine verkleinerte Kopie von Jean-Paul Belmondo, war aber notorisch unpünktlich. Auf diesen Umstand angesprochen läuft er unter dem Gelächter der Campinggäste rot an und kommt künftig einigermaßen pünktlich, oder er schickt seine Tochter.
Einen korsischen Bauernmarkt mit immer frischem Gemüse gibt es auf der anderen Seite der N198, genau gegenüber zum Platz. Im Ort Moriani-Plage, etwa 500 Meter vom Platz in nördlicher Richtung, gibt es einen mittelgroßen Casino-Supermarkt und sonst alles, was man so braucht: Bank, Post, Tankstelle und vieles mehr. Das Touristenbüro ist in einem alten Kelter inmitten des Ortes untergebracht. Allein schon das alte Gebäude lohnt einen Besuch, drinnen dann die übliche freundliche Atmosphäre und jede Menge Broschüren und Informationsmaterial, auch auf Deutsch. Das Dorf Moriani-Plage, eigentlich die Marina von San Nicolao, ist ganz auf Tourismus eingestellt: Geschäfte, Bars mit dem unvermeidlichen ‚petit noir’ und Pastis und Restaurants mit und ohne Terrasse am Strand oder an der Straße. Das beste Restaurant ist ein kleines an der Straße ins Bergdorf San Nicolao, schon fast am westlichen Ortsausgang. Es ist nicht immer offen, unscheinbar und nicht auf Touristen eingestellt, daher die Speisekarte korsisch-rustikal, die Madame und der Patron umwerfend freundlich. Es gibt im Dorf zwei Charcuteries. Wer sich und Freunden ein unvergessliches Souvenir besorgen will, der geht in die nördlichere kleine Charcuterie mitten im Dorf und kauft von den total weiß oder gar grün angeschimmelten Saucissons. Lasst Euch nicht die für die Touristen bestimmten geben, sondern die traditionell gereiften mit dem Schimmel, die sind bei weitem besser!
Die Ostküstenebene, an deren nördlichem Ende Moriani-Plage liegt, hat ein eher langweiliges Renomee. Sehr zu Unrecht, wie ich diesmal feststellen konnte. Wer einen halben Tag wandern möchte, der latscht bergauf zum Nest San Nicolao den Wanderweg Mara a Mare Nord, dann auf der D330 Richtung Santa-Maria-Poggio (keine Angst; es kommt nur alle dreiviertel Sunde ein Auto). Unterwegs durch den Kastaienwald die zwei Tunnels, die Brücke und der Wasserfall Cascade de L’Ucelluline, über den der Bucatoggio dem Meer entgegen stürzt. Das Dorf Santa-Maria-Poggio besteht zumeist aus denkmalgeschützten Gebäuden, eine Augenweide für Fans von ‚alten Steinen’ und ein sehr schönes Beispiel für Dörfer in der Castaniccia. Dann gibt es noch eine alte Genueserbrücke über den Bucatoggio, die auf keiner Karte eingezeichnet ist, und etwa 200 Meter südlich davon die erst jüngst ausgegraben Reste einer pisanischen dreischiffigen Kirche mit Nebengebäuden. Zudem kann man per Auto das Städtchen Cervione, die Ausgrabungen des römischen Aléria, die Überreste des römischen Mariana mit der Kathedrale La Canonica und vieles mehr erkunden.
Es wäre sehr schade, wenn man diese Gegend in der touristischen Hauptsaison Juli und August besuchen würde. Überlaufen von Touristen präsentiert sich dann die Ostküste, die Einheimischen genervt von Ungeduld und Hektik. Kenner kommen im Mai, wo noch der Genuss im Vordergrund steht und der Gast korsisch-traditionell wie ein König im Vordergrund steht. Bitte belohnt die Leute mit Ehrerbietung und Großzügigkeit, Ihr werdet mit Anerkennung oder gar Freundschaft reichlich belohnt!
Fazit: Der Campingplatz Merendella ist für mich jedes Jahr die erste Anlaufstelle auf Korsika zum Auftanken von Urlaubsstimmung und zum Auffüllen der Vorräte. Wenn das erledigt ist, fahre ich erst weiter. Die Madame hat sich in dem Jahr seit meinem vorletzten Besuch redlich Mühe gegeben, das Renomee des Platzes zu verbessern, das sollte man anerkennen. Beim Abschied in der Rezeption war die Dame mit dem asiatischen Lächeln anwesend. Sie trug ein weißes T-Shirt mit fünf goldenen Sternen darauf. Nachdem sie mir das Pfand für den ‚Bip’ zurückgegeben hat, fragte sie, wie mir der Platz gefallen hat. Meine Antwort: „Comme les étoiles sur votre t-shirt, quatres étoiles pour le camping et la cinquième étoile pour vous!” Nach diesem Satz hat sie ganz besonders gelächelt. Mir war es ein Bedürfnis und mehr braucht man nicht zu sagen!
Kritik von Uli Porath, 16. 1. 2012
Lage des Camping Merendella
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