Korsika - ein Paradies im Mittelmeer Français  

Filitosa

Filitosa

Die Ausgrabung von Filitosa ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Korsikas und in der Hochsaison entsprechend besucht.

Bereits 1946 entdeckte Charles-Antoine Cesari auf seinem Grundstücke mehrere Menhirstatuen. Es dauerte ganze 8 Jahre bis Roger Gorsjean 1954 mit den Ausgrabungen begann. Die Anlage ist heute immer noch im Besitz der Familie Cesari. Zwei der drei Söhne Charles-Antoine waren selbst Archäologen und haben sich bei der Erforschung der korsischen Urgeschichte einen Namen gemacht. Das Schicksal meinte es aber nicht gut mit der Familie, denn alle drei Söhne sind innert kurzer Zeit verstorben. Nun kümmern sich die beiden Töchter und weitere Familienmitglieder um die Anlage.

 

Filitosa Filitosa

 

Geöffnet hat die Anlage von Anfang April (oder Ende März, wenn Ostern in der Zeit liegt) bis Ende Oktober von 8.30 bis ca. 20 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro. Die deutschsprachige Infobroschüre ist auf jeden Fall zu empfehlen, schildert sie doch reich bebildert viel Wissenswertes über das Alltagsleben der damaligen Zeit. Bei unserem letzten Besuch funktionierten die Säulen, aus denen man auf Knopfdruck Kommentare auch in deutscher Sprache hörte, nicht mehr.

 

 

Das Gebiet von Filitosa wurde ab dem 7. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Die Menschen lebten von Tierzucht, Ackerbau und der Jagd und bauten einfache Hütten unter Felsvorsprüngen. Die bei den Ausgrabungen gefundenen Pfeilspitzen und Klingen aus Obsidian zeugen von Handelsbeziehungen mit Sardinien, denn Obsidian ist ein Gestein, dass auf Korsika nicht vorkommt. Ab etwa 3300 v. Chr. wurden erste einfache Menhire aufgestellt. Auch in der Kunst des Töpferns machten sie grosse Fortschritte. Diese erste Epoche dauerte bis zum Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. Gegen Ende dieser Phase kamen auch neue Siedler hinzu, brachten die Kunst des Kupfergiessens (noch nicht Bronze!) mit und vermischten sich mit der bereits ansässigen Bevölkerung. Nach anderer Quelle kam es zu blutigen Auseinandersetzungen mit den neuen Siedlern, die mit ihren Bronzeschwertern den Einheimischen haushoch überlegen waren. Sie sollen die Megalithiker nach Norden verdrängt haben. Ab 1800 v. Chr. werden die Menhirstatuen immer feiner ausgearbeitet. Sie werden menschenähnlich und zeigen deutliche Gesichtszüge.

 

Filitosa Filitosa

 

Die schönsten Menhirstatuen stammen aus der Zeit zwischen 1300 und 800 v. Chr. Sie bekamen auch Waffen eingemeisselt: Schwerter und Dolche, gelegentlich auch gleich beides. Die schönste Statue aus dieser Zeit ist sicherlich Filitosa V, der man bereits auf dem Weg zur Ausgrabung begegnet. In dieser Zeit dringen die Torreaner auf Korsika ein und übernehmen die Herrschaft im Süden Korsikas. Die Megalithvölker werden nach Norden verdrängt. Die Torreanern errichteten die drei Torri, die man heute noch auf der Anlage besichtigen kann. Diese Rundbauten dienten kultischen Zwecken und wurden unter Umständen auch militärisch genutzt. Die Menhirstatuen der Megalithiker wurden von den Torreanern zerstört und als Baumaterial verwendet.

Man geht davon aus, dass die Bedrohung der Torreaner die Megalithiker dazu veranlasste, den Menhirstatuen Schwerter und Dolche einzumeisseln. Sie könnten getötete Feinde darstellen, oder aber auch mutige eigene Leute.

Wie man diesem Text entnehmen kann, ist noch vieles unklar und es werden viele Vermutungen aufgestellt. Mehr Informationen über die Urgeschichte Korsikas findet man hier.

Rundgang durch die Ausgrabungsstätte

Der Eingang liegt rechts neben der Bar. Den Besuch des Museums spart man sich idealerweise für den Schluss auf. Ein mit Granitplatten ausgelegter Weg führt zur Stätte. Unterwegs kommt man an der Menhirstatue Filitosa V (alle Menhirstatuen Korsikas tragen den Namen ihres Fundortes und dazu eine römische Ziffer) vorbei, die mit ihrem Langschwert und dem Dolch recht beieindruckend wirkt. Sie ist mit ihren 3 m Höhe Korsikas drittgrösste Menhirstatue und bringt rund 2 Tonnen auf die Wage. Das Kopfende ist leider nicht mehr vorhanden. Die Rückseite zeigt Andeutungen der Wirbelsäule und der Schulterblätter.

Nach einer Linkskurve erreicht man das Ostmonument, einer der drei Torri, welche die Torreaner errichteten. Teile der Ringmauer, die den gesamten Hügel umgab, sind auch hier noch vorhanden. Das Ostmonument ist das am wenigsten beindruckendste der drei Torri. Unter dem grossen Tafonifelsen befanden sich primitive Hütten der

ersten Siedler. Das Monument könnte als Wachposten gedient haben.

Etwas weiter links liegen die Fundamente von torreanischen Hütten.

Weiter gehts zum Zentralmonument, auf dem man die oberen Bruchstücke von Menhirstatuen aufgestellt hat. Diese waren einst als Baumaterial im mörtellosen Mauerwerk des Torre integriert. Diese Statuen sind eines der beliebtesten Fotomotive Korsikas. Sie sind kurz vor Mittag am besten beleuchtet. Von links nach rechts sind dies folgende Menhirstatuen: Filitosa VIII, ein affenartiges Gesicht mit affenartigem Gesicht, Filitosa XI, leider ziemlich verwittert, Filitosa VII, die sogenannte Scalsa-Murta, Filitosa IX, die wohl schönste Menhirstatue Korsikas mit sehr regelmässigen Gesichtszügen und deutlich herausgearbeitetem Rücken, Filitosa X, die nur ganz schwach ausgearbeitet ist und Filitosa XIII mit dem asymmetrischen Gesicht und kräftigen Kinn (eventuell die Andeutung eines Bartes). Darunter lehnen an der Mauer weitere Bruchstücke von Menhirstatuen.

Das Zentralmonument liegt an der höchsten Stelle des Hügels. Es hat einen Durchmesser von 16 m und war einst von einem Kuppeldach abgeschlossen. Der Innenraum, die Cella, diente als Bestattungsraum. Die Toten wurden hier verbrannt. Insgesamt wurden hier 32 Bruchstücke von Menhirstatuen im Mauerwerk gefunden.

Hinter dem Zentralmonument befindet sich Filitosa VI, von der drei Bruchstücke gefunden worden sind. Sie stehen aufgereiht auf einem Felsen. Die Gesichtszüge, die Rückenpartie und auch das Langschwert auf der Brust sind deutlich ausgearbeitet.

 

Filitosa Filitosa

 

Schliesslich gelangt man zum Westmonument, das mit seinen Räumen, Gängen und Nischen am eindrücklichsten ist. Es hat einen Durchmesser von 18 m und besteht aus einem zentralen Hauptbau und einem südlichen Anbau. Der Hauptteil besteht aus zwei Räumen. Auch dieses Monument diente der Bestattung, vermutlich aber auch der Verteidigung, liegt es doch am Ende des Hügels in strategisch günstiger Lage. Vor allem den Kindern macht es Spass durch die Gänge zu kriechen. Eine Taschenlampe ist empfehlenswert.

Vom Westmonument führt ein schmaler Fussweg den Hügel hinunter und überquert den Barcajolo-Bach, der im Sommer aber meist ausgetrocknet ist. Vor einem mächtigen Olivenbaum, der über 1000 Jahre alt sein soll, stehen fünf Menhirstatuen in einem Halbkreis.. Es handelt sich hierbei um die ersten in Filitosa gefundenen Menhirstatuen, was auch aus dem Namen hervorgeht. Von links nach rechts sind dies: Filitosa III und Filitosa IV, beide mit schrägem Dolch, Filitosa I mit Schwert, Tappa I mit eigenartig tief eingemeisselten Hals und Filitosa II mit stark verwittertem Gesicht. Die Statue Tappa I wurde etwa 400 m entfernt im Weiler Tappa gefunden, daher der Name.

Hinter dem Olivenbaum findet man noch viele Felsen, welche einst als Steinbruch dienten. Auf dem Rückweg wird einem die strategisch gute Lage des Hügels mit den Torri erst so richtig bewusst. Man umgeht den Hügel auf einem Pfad in südlicher Richtung.

Zum Schluss wird das kleine Museum besucht, wo zahlreiche Fundstücke von der Ausgrabung ausgestellt werden. Man findet Keramikscherben, Pfeilspitzen, Mühlsteine und Werkzeuge. Daneben stehen hier drei Menhirstatuen, nämlich Scalsa-Murta (am Kopf befinden sich kleine Vertiefungen, in die man Hörner stecken konnte), Filitosa XII (zeigt seltene Dastellung von Armen und Händen, war der Länge nach gespalten und diente als Türsturz) und TappaII.

 

Filitosa Filitosa
Filitosa Filitosa

 

 

 

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