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Korsische Eisenbahn

Die korsische Eisenbahn ist ein Erlebnis: Die Fahrt lockt jedes Jahr viele Eisenbahn-Fans auf die Insel.

 

Das Y-förmige Schienennetz Korsikas misst derzeit 230.6 km und verbindet die Hafenstädte Bastia und Ajaccio (157.4 km); von Ponte-Leccia aus führt eine Strecke bis nach Calvi (73.2 km). Das abenteuerlichste Stück der meterspurigen Bahn ist zweifellos der Abschnitt zwischen Corte und Bocognano. Die meterspurige Schmalspurbahn überwindet mittels zahlreicher Viadukte und Tunnels eine maximale Steigung von nahezu 3%!

 

Zwischen 2004 und 2010 wurde das gesamte Schienennetz der CFC (Chemin de fer de la Corse) erneuert, die Signale modernisiert, viele Bahnhöfe wurden restauriert und es wurden neue Züge angeschafft.

 

Diese neuen Züge vom Typ AMG 800 (Autorail Métrique Grand confort 800kw) fahren hauptsächlich auf der Hauptstrecke Bastia-Ajaccio sowie von Ponte-Leccia nach Calvi. Auch auf der S-Bahn ähnlichen Vorortbahn von Bastia nach Casamozza (suburbain Bastia) und Ajaccio-Mezzana (suburbain Ajaccio) verkehren diese modernen, klimatisierten Triebwagen. Sie bieten rund 100 Reisenden Platz und werden in der Hauptsaison im Juli und August teilweise in Mehrfachtraktionen eingesetzt. Die bis zu 100 km/h schnellen Triebwagen haben große Panoramascheiben und bieten einen relativ guten Komfort, vor allem im Vergleich zu den alten Triebwagen.

 

Auf der Tramway de Balagne verkehren die 80er Jahre Soulé Triebwagen vom Typ X97000 und deren Steuerwagen XR9700. Diese Fahrzeuge sollen ebenfalls modernisiert und mit Klimaanlagen ausgerüstet werden.

Korsische Eisenbahn

Zahlen und Fakten der korsischen Eisenbahn

  • 32 Tunnel
  • 14 Galerien
  • 76 Brücken und Viadukte
  • 83 Bahnübergänge
  • Das gesamte Streckennetz misst 230.6 km.
  • Die maximale Steigung beträgt 30 Promille.
  • Der längste Tunnel (Vizzavona) misst 3.916 km und ist schnurgerade.
  • Das längste Viadukt (Vecchio, geplant von Gustave Eiffel) misst 140 m und ist 94 m hoch.
Korsische Eisenbahn
Korsische Eisenbahn
Korsische Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn

Steigende Fahrgastzahlen

Gerade in den Sommermonaten wird die korsische Eisenbahn von den Touristen stark frequentiert, die Fahrgastzahlen stiegen in den letzten Jahren stetig, von 300‘000 in den 1990ern auf knapp 1 Mio. Fahrgäste im Jahr 2015.

 

Durch die modernen Triebwagen konnte auch die Fahrzeit sukzessive verkürzt werden. Kurz vor Ajaccio erreichen die Triebwagen tatsächlich annährend 100km/h. In Zukunft werden die Signale zentral von Bastia aus gestellt, dann wird auch ein dichterer Takt mit mehr Zugkreuzungen möglich sein.

Modernisierung der korsischen Eisenbahn

Die romantische Darstellung in vielen Reiseführern ist heute nur noch wenig zutreffend. Die vielerorts beschriebenen Schrottplätze in Casamozza und Bastia sind grösstenteils geräumt, die häufig verfallenen Bahnhofsgebäude sind teilweise sehr liebevoll restauriert worden, es wurde vielerorts eine Gastronomie installiert, Hinweisschilder weisen dem Ortsunkundigen den Weg.

 

Die modernen Triebwagen fahren deutlich leiser und ruhiger als die oft beschriebenen alten Varianten, die Pünktlichkeit ist deutlich spürbar gestiegen.

 

Inzwischen hat die korsische Eisenbahn auch einen sehr guten Internetauftritt.

 

Was geblieben ist, ist die atemberaubende Streckenführung durch das Korsische Gebirge, mit tiefen Schluchten, in den Berg gesprengten Tunneln, Brücken über wilde Flüsse sowie der Blick auf die häufig unberührte Natur.

Korsische Eisenbahn: Tipps und Infos

  • Für Touristen gibt es bei Hin- und Rückfahrten am selben Tag 25% Rabatt.
  • Die Fahrkarten kauft man in den Bahnhofsgebäuden, nach Bedarfshalten oder kleineren Haltepunkten kann man die Karte auch beim Schaffner kaufen. In den Bahnhöfen kann man auch mit Karte zahlen, beim Schaffner ausschließlich in bar.
  • Große Hunde kosten 50% des Erwachsenen Fahrpreises, kleine Hunde, die auf dem Schoß des Besitzers Platz haben, fahren kostenlos mit.
  • Gerade in den Sommermonaten ist die Bahn zwischen Ponte-Leccia und Bocognano teilweise sehr voll, sodass es sich für Bahnreisende manchmal lohnt, jeweils vorher in den Zug zu steigen. Von Casamozza nach Ponte-Leccia ist die Bahn meist nur mäßig voll. In Vizzavona kreuzt der Fernwanderweg GR20 die Bahnstrecke, hier steigen häufig schwer bepackte Wanderer in den Zug.

Tipps für Eisenbahnfans

Für Eisenbahn Interessierte bietet die korsische Eisenbahn neben dem alltäglichen Betrieb auch die Möglichkeit, die Vergangenheit zu bewundern.

 

Der „Cercle Ferroviaire Corse“ kümmert sich um das Andenken an die bekannten alten Triebwagen und auch Güterwagen, die jahrzehnte lang das Bild Korsikas prägten. Geplant sind u.a. die betriebsmäßige Aufarbeitung eines Renault ABH Triebwagens und ggf. auch eines der legendären Billard Triebwagen A80d, ferner der auf Korsika aus alten Teilen gebauten „la bête de Calvi“, einer alten Güterzuglok, die im Bahnhof von Bastia noch abgestellt vorhanden ist.

 

Für Reisende, die sich neben der Eisenbahn auch für Geocaching interessieren, bietet es sich an, auf den Spuren der stillgelegten und abgebauten Ostbahn zu suchen. Die ehemalige Trasse ist häufig noch zu erahnen, viele alte Brücken sind nach wie vor erhalten, ebenso wie die ehemaligen Bahnhofsgebäude sowie einige Schrankenwärter Häuschen. Bei Fautea kann man den einzigen Tunnel der Ostbahn entdecken, das Südportal ist zugänglich.

Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Viadukt Von Gustave Eiffel über Den Vecchio
Viadukt Von Gustave Eiffel über Den Vecchio
Viadukt Von Gustave Eiffel über Den Vecchio
Eisenbahnstrecke Zwischen Calvi Und Ile-Rousse
Korsika Eisenbahn: Eisenbahnstrecke Zwischen Calvi Und Ile-Rousse
Tunnel Bei Vizzavona
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn
Korsika Eisenbahn

Die Geschichte der korsischen Eisenbahn

Langwierige Planung

Bereits im Jahre 1855 geisterte im Kopf eines Herrn Conti die Idee einer sardisch-korsischen Eisenbahn herum. Zu konkreten Plänen ist es aber damals nicht gekommen. 1864 wurde die Idee wieder aufgenommen. Man erwog, eine Bahnstrecke von Bastia entlang der Ostküste bis nach Bonifacio zu bauen. Später sollte von Porto Vecchio aus eine Verbindung nach Ajacico gebaut werden. Dabei sollte der 800 m hohe Bacino-Pass überwunden werden. Eine Streckenführung über den Vizzavona-Pass mit seinen 1163 m war damals noch undenkbar.

 

1868 beschloss man dann, doch die Inlandstrecke Bastia – Corte – Ajaccio Priorität zu schenken und beauftragte ein Ingenieurbüro mit ersten ernsthaften Studien. Man überlegte auch, ob es nicht schlauer wäre, Corte über Aléria und das untere Tavignanotal zu erreichen, entschied sich dann aber doch für die heutige Variante Golotal.

 

Auch die Idee Bastia – Aléria (mit Nebenstrecke nach Corte) – Porto Vecchio – Sartène – Ajaccio wurde aufgegeben. Diese Strecke hätte zwar die gebirgigsten Regionen gemieden, wäre aber deutlich länger ausgefallen als die direkte Streckenführung über das Zentrum der Insel. Die Finanzierung des Baus konnte allerdings nicht geklärt werden und so verstrichen wieder etliche Jahre, während überall sonst in Europa fleissig an den Eisenbahnnetzen gebaut wurde. 1877 nahm sich der Staat der Sache an und gab neue Studien in Auftrag. Diese basierte auf einer Spurbreite von einem Meter (die vorherigen Pläne sahen eine Spurbreite von 1.10 m vor) und einem Kurvenradius von 80 m. Zudem wurde eine maximale Steigung von 30 Promille vorgegeben. Als die Pläne fortschritten, wollte Calvi und die Region Balagne ebenfalls Anschluss ans korsische Eisenbahnnetz haben und auch eine Strecke von Ajaccio nach Propriano wurde in die Planung mit einbezogen.

 

16 Jahre Bauzeit

Am 7. Dezember 1878 wurde mit dem Bau der Strecke Ajaccio – Bastia begonnen. Eine grosse Herausforderung stellte der Tunnel unter dem Vizzavona-Pass dar, eine weitere das Viadukt über den Vecchio-Fluss. Für letzteres wurde der bekannte Ingenieur Gustave Eiffel beigezogen. Er entschied sich schlussendlich für die Variante Stahlkonstruktion auf Stein-pfeiler. Das Eiffelviadukt wurde am 1. Oktober 1892 fertiggestellt und hat eine Länge von 140 m. Die beiden Steinpfeiler stehen 52 m auseinander!

 

1888 wurden die ersten Teilstücke eröffnet. Es waren dies am 1. Februar der Abschnitt Bastia – Corte und Casamozza – Tallone, am 17. Juni der Abschnitt Tallone – Ghisonaccia und am 10. Dezember das Stück zwischen Ajaccio und Bocognano.

 

Nur ein Jahr später konnten auch schon erste Züge Richtung Balagne fahren, denn am 10. Januar wurde die Strecke Ponte-Leccia – Palasca eröffnet. Ebenfalls 1889, nämlich am 14. Juli, wurde der Abschnitt Bocognano – Vizzavona eingeweiht. Die grösste Hürde war geschafft!

 

Am 15. November 1890 wurde das Teilstück Palasca – Calvi fertiggestellt. 2 Jahre später, am 9. Oktober 1892 eröffnete man die Strecke Vivario – Vizzavona. Nun fehlte nur noch ein Teilstück, nämlich der Abschnitt zwischen Vivario und Corte, welcher am 3. Dezember 1894 feierlich eingeweiht wurde. Nach 16 Jahren Bauzeit konnte erstmals ein Zug von Bastia nach Ajaccio fahren!

 

An der Ostküste gings langsamer voran

Trotz viel einfacheren topografischen Begebenheiten kam der Bau der Ostküstenstrecke nur langsam voran. Nachdem man im Jahre 1888 bereits von Bastia bis nach Ghisonaccia fahren konnte, benötigte man für die Strecke Ghisonaccia – Solenzara, die mit lediglich 20 km ein kurzes Stück darstellte, bis ins Jahr 1930, also volle 42 Jahre! Fünf Jahre später, am 21. September 1935, konnte auch der Abschnitt Solenzara – Porto Vecchio eingeweiht werden. Das korsische Eisenbahnnetz hatte ihre grösste Ausdehnung erreicht.

 

Gründe für diese massiven Verzögerungen waren Streiks und der Ausbruch des 1. Welt-krieges. Geplant war die Weiterführung der Eisenbahnlinie bis nach Bonifacio, doch diesen Plänen kam der 2. Weltkrieg in die Quere.

 

Zerstörung der Ostküstenstrecke

Im Jahre 1943 landeten deutsche Truppen auf Korsika. Diese bombardierten die Ostküstenstrecke, die damals noch keine 10 Jahre alt war. Auch der Bahnhof von Bastia wurde von deutschen Bomben schwer beschädigt. Insgesamt wurden 450 m Brücken, 1 Tunnel, 5 Bahnhöfe, 3 Handelshallen, 4 Depots, 15 Lokomotiven, 3 Triebwagen und 250 Eisen-bahnwagen komplett zerstört. Auch das Archiv der Bahn wurde durch einen Brand fast komplett vernichtet. Doch nicht nur die Bahnlinie litt arg. Auch die N198 wurde arg in Mittleidenschaft gezogen. Zwischen Casamozza und Bonifacio wurden 53 Brücken zerstört.

 

Nach dem Krieg wurde die Ostküstenstrecke zwischen Casamozza und Folelli wieder in Betrieb genommen.

 

Wiederaufnahme des Bahnverkehrs nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurde der Bahnverkehr wieder aufgenommen. Man begnügte sich mit der Y-Strecke und dem Abschnitt Casamozza – Folelli, der aber 1953 stillgelegt wurde.

 

1966 wurden die Balagne-Tramway ins Leben gerufen. Seither verkehren auf der äußerst schönen Strecke der Küste entlang 7 Züge täglich.

 

Seit 1973 fuhren die kleinen Züge 11 Mal täglich zwischen Bastia und Casamozza hin und her.

 

1982 wurden die originellen rot/beigen Renault-Triebwagen (ABH) mit ihren aus alten Billard Beiwagen umgebauten Steuerwagen durch modernere Triebwagen (X97000) ersetzt.

 

Mehrere Male wollte man die korsische Eisenbahn aufgrund mangelnder Rentabilität stilllegen, was aber zu inselweiten heftigen Protesten führte. Am 1. Januar 1983 wurde die CFC der SNCF, der staatlichen französischen Eisenbahn angegliedert, heute wird sie über das „collectivité territoriale de Corse (CTC) verwaltet, auch an der Wagenbeschriftung zu erkennen.

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