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Genuesertürme auf Korsika

Rund um Korsika entlang der ganzen Küste trifft man sie an, die Wachtürme aus genuesischer Zeit. Sie stehen oft auf Landzungen oder auf Felsen manchmal aber auch mitten in Dörfern. Erbaut wurden sie alle zwischen 1510 und 1620, als Korsika unter der Herrschaft der genuesischen Bank des heiligen Georgs war. Korsika wurde zur damaligen Zeit immer wieder von Sarazenen und Osmanen überfallen, die plünderten und die Einheimischen als Sklaven verschleppten. Allein im Jahr 1560 wurden 6000 Korsen in die Sklaverei nach Algier entführt. Genua fürchtete um die Einkünfte aus Korsika und entschloss sich, die Küste mit Wachtürmen zu schützen.

Genuesertürme auf Korsika

Anzahl Genuesertürme auf Korsika

Je nach Quelle gab es zu dieser Zeit zwischen 78 und 150 Wachtürme. Die obere Zahl dürfte mit grosser Wahrscheinlichkeit zu hoch angesetzt sein. In Wirklichkeit waren es wohl eher um die 80 Türme. Heute sind davon noch 68 zu sehen, wovon 39 noch gut erhalten sind. Von den restlichen 28 sind nur noch Grundmauern zu sehen. 10 Türme sind komplett verschwunden.

Aufbau der Genuesertürme

Die Genuesertürme sind zwischen 12 und 17 Meter hoch und haben meistens einen runden Grundriss. An der Basis beträgt ihr Durchmesser 8 bis 10 Meter und an der Plattform 5 bis 7 Meter. Ihr Aufriss ist leicht konisch. Der Eingang befand sich in einer Höhe von rund 5 Metern. Bei Gefahr konnte die Leiter hochgezogen werden. Die meisten Türme bestehen aus zwei übereinander liegenden Räumen. Der untere war der Ruhe- und Wohnraum der Besatzung, der obere der Bereitschaftsraum. Von diesem aus gelangte man auf die Aussichtsplattform. Unter dem Wohnraum lag eine Zisterne, in der das Regenwasser gespeichert wurde. Dieses wurde auf der Aussichtsplattform gesammelt und in der Mauer nach unten geleitet. Gelegentlich kommen auch Türme mit quadratischem Grundriss vor. Diese stammen nicht – wie in den meisten Reiseführern immer wieder behauptet wurde – aus der pisanischen Epoche. Sie wurden in der gleichen Zeit wie die runden Türme erbaut.

Genuesertürme Auf Korsika
Genueserturm Von Erbalunga
Genuesertürme Auf Korsika
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Tour De Diane Bei Aléria
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Genueserturm In Der Marine De Negru
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Genueserturm Auf Dem Capu Rossu
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Genuesertürme Auf Korsika
Genueserturm Von Porto
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Nutzen der Genusertürme

Gemäss den meisten Quellen wurden die Türme an Stellen errichtet, von denen man zu den jeweiligen Nachbartürmen Sichtkontakt hatte. Drohte Gefahr vom Meer her, wurden die Nachbartürme Tags mit Rauchzeichen und nachts mit Feuerzeichen gewarnt. Diese Warnung konnte so innert einer Stunde um die ganze Insel getragen werden. Die Bevölkerung konnte sich so im Landesinneren in Sicherheit bringen. Dieses Verteidigungssystem wurde Torregiana genannt. Die Türme waren ständig mit 2 – 4 Mann besetzt. Der Dienst auf den Türmen war eintönig, die Vorschriften streng:

  • Es durfte sich immer maximal ein Mann vom Turm entfernen, um Proviant zu besorgen. Er durfte dafür höchstens zwei Tage wegbleiben.
  • Täglich musste die Besatzung von der Plattform aus den Horizont im Auge behalten. Im Falle des Auftauchens von Piraten waren die vorgeschriebenen Signale zu geben.
  • Es war der Besatzung verboten, sich ohne ausdrücklichen Befehl vom Turm zu entfernen.
  • Jeden Abend musste mit Feuer Kontakt zu den Nachbartürmen hergestellt werden.
  • Es war der Besatzung erlaubt, neben dem Turm einen kleinen Garten anzulegen, sofern die Bodenbeschaffenheit dies zuliess.
Tour De Capu Negru
Tour De Calanca
Tour De Capannella
Tour De Castagna
Tour De L'Isolella
Tour D'Orchino
Tour De Sagone

Ich persönlich zweifle dieses System allerdings stark an. Während meinen zahlreichen Korsika-Aufenthalten habe ich schon viele Genuesertürme besucht. Dabei fiel mir auf, dass einige bilderbuchmässig auf Landzungen thronen und von weit her gesehen werden können. Viele andere Türme aber sind an Orten errichtet, die für das Torregiana-System absolut ungeeignet sind. Beispiele dafür sind der sehr bekannte Tour de Losse, von wo aus man zwar nach Süden sieht, nicht aber nach Norden. Von der Tour de Negru (Bild unten) aus sieht man in beide Richtungen keinen Turm. Zudem machte es meiner Meinung nach keinen Sinn, beim Auftauchen von Piraten die ganze Insel zu warnen. Werden Sarazenen von den Türmen im Golf von Valinco aus gesichtet, so interessierte das die Bewohner des Cap Corse wohl kaum. Auch gibt es keine Verbindung um die Nordwestspitze des Cap Corse herum. Auch die genuesischen Quellen erwähnen keinen hier einst erbauten Turm.

Genueserturm in der Marine de Negru

Türme als Ziel zahlreicher Wanderungen

Die gut erhaltenen Türme sind häufig Ziel schöner Küstenwanderungen. Leider können nur wenige Türme betreten werden. Bei einigen kann man der Aussenmauer hoch bis zum Eingang klettern (auf eigene Gefahr) und so zumindest in den Hauptraum gelangen. Auf die Plattform kommt man nur sehr selten (z.B. Capu Rossu).

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